22.08.2016: Stetind

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Der Wecker klingelte um 4:15Uhr. Boah. Ich stand schnell auf um Laura nicht zu wecken und frühstückte vor dem Bus. Charlie war auch schon wach. Der Fjord war ruhig und von den Bergkämmen kamen Nebelwolken rüber, die sich im Fjord sammelten. Aber hierfür hatte ich nicht mehr Zeit. Pünktlich um 5Uhr gings los. Wir marschierten gute 2h hoch. Erst durch den Wald, der bald auf machte und dann über eine Geröllfelder zum Gletschersee. Die Sonne kam langsam immer höher und höher und so stiegen auch die Temperaturen. Es sollte ein echt schöner Tag werden. Bevor es weiter ging nochmals die Frage. Südpfeiler oder Normalweg. Südpfeiler. So deponierten wir dann einen Teil der Ausrüstung, den wir wahrscheinlich nicht brauchen werden hinter einem Stein. Weiter gings über eine lange Schrofenquerung, die dann doch einfacher war als gedacht. Schon standen wir vor dem Einstieg. Charlie fragte mich zufällig ob ich denn die Einverständniserklärung (wegen Gefahren und so) unterschrieben hätte…Äh nein..Ich hab nur mit Seth telefoniert. Ok. Also Handschlag drauf. Alles passiert eigenverantwortlich. Wir machen uns fertig, legen die Ausrüstung an und los gehts. Da man in Norwegen nicht bohren darf (Tunnel durch den Fels sprengen ist ok) ist die Tour komplett zum selber absichern. Langsam wird mir auch der Sinn von Topos klar. Bzw. klarer. Wenn man vor einer nackten Wand steht, dann muss man echt den Fels lesen. Wo kann es hingehen, wo führen Risse oder Verschneidungen hin, wo gibts Rastplätze. Charlie klettert sehr souverän hoch. Man merkt natürlich, dass er in den Rockies aufgewachsen ist und das Keile legen ihm keine Schwierigkeiten bereiten. Ich folge Seillänge um Seillänge nach und komme immer besser rein. Der Granitfels ist einfach brutal. So viel Grip, so fest, kein einziger Zug fühlt sich unsicher an. Wir kommen gefühlt gut voran und ich lerne alle Facetten des „Big-Wall-Kletterns“ kennen. Wir kommen an engen Kaminen vorbei, ich muss teilweise schräge Platten und Kanten abklettern, wir bauen uns einen Hängestandplatz an zwei Cams, Keile die nur schwer raus gehen, Spiderman-Moves, geschrubbe, offene Finger…Das ganze Programm. Ich bin aber nur geflasht. Mir macht das so viel Freude, dass ich mit Begeisterung einfach nur weiter klettere. Speziell die Aussicht. Je höher wie kommen, desto atemberaubender wird der Ausblick zum Fjord und auf die Wand. in der 11. Seillänge verhaut sich dann Charlie etwas. Wir nehmen einen Pfeiler zu weit links und kommen zwar auch in eine Tour rein, diese ist aber eher im oberen 7. Grad angesiedelt. Ich kämpfe ziemlich beim nachsteigen. Unter sehen wir zwei Jungs die mit brutalem Tempo zu uns aufschließen, aber kein Wunder. Sie klettern am laufenden Seil, also gleichzeitig und per Traxion quasi gesichert. Charlie entschließt sich oben abzuseilen, das wir in echt schweres Gelände gekommen sind. Also opfert er zwei Keile und es geht wieder eine SL runter. Quasi gleichzeitig kommen wir mit den anderen dort an. Wir beratschlagen uns kurz wegen dem Routenverlauf und da die beiden schneller sind gehen sie voraus. Diesmal sieht es besser aus und so haben wir kein Problem die letzten drei Seillängen zu machen. Einzig meine Füße sind es nicht mehr gewohnt den ganzen Tag in den Kletterschuhen zu stecken und schmerzen wie Hölle. Ich kämpf mich noch durch die schweren Längen durch und dann heißt nur noch 3er Gelände hoch und zack…Ich bin auf dem Stetind oder auch Ambosszinne. Dem Nationalberg Norwegens. Oben wirkt der Gipfel wie eine riesige Ebene. Zu jeder Seite geht es mehrere hundert Meter nach unten. Wir genießen den Ausblick und machen die obligatorischen Fotos. Der Abstieg ist danach zwar lang, aber eher leicht. Man klettert/wandert 2/3er Geländer runter, muss aber an einer Stelle abseilen. Klar ist es Komfort, aber ich fands dann auch gut, dass Charlie mich aus Sicherheits-Gründen am kurzen Seil hatte. So waren wir dann doch schnell unterwegs und nahmen dann den steilen Schutt-Wanderweg nach unten. Die ganze Zeit über quatschten wir quasi ununterbrochen, redeten übers Klettern, Bouldern, Sonnie Trotter, Alex Huber, Terrorismus, Heirat, Weltfriede…über alles halt. Ein echt sympathischer Kerl. Nach dann 15,5h war ich dann überglücklich…fertig und einfach mehr als zufrieden wieder unten. Ein Tag, den ich sicher nicht vergessen werde. Laura wartete auch schon auf mich mit essen und wir erzählten uns einfach alles dann. Was sie gemacht hat, wies bei mir war. Ich trank dann noch ein paar Bier mit Charlie und mehr brauchte es nicht damit ich völlig fertig einschlief.

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