12.11.2022: Chironico

unbenannt-12300

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Da wir voll zum Bouldern motiviert waren und das Wetter in Chironico immer noch mega war konnten wir ja nicht anders. Am Freitag nach der Arbeit gings los Richtung Tessin. Es war schon relativ spät als wir los kamen, damit war uns schon klar, dass wir es nicht komplett durch schafften und planten mit einem Zwischenstopp am Hinterrrhein See, kurz nach dem Avers. Ich war allerdings etwas schläfrig und verplant und bin einfach am Stellplatz, den uns Floh empfohlen hatte, vorbei gefahren. Der sah im ersten Moment im Dunklen auch nicht so ideal aus. Direkt unter der Straße und da stand dann auch schon ein Womo. Ich wollte noch umdrehen, aber die Straße gab das nicht her, so dass ich irgendwie planlos bis nach Splügen gefahren bin um dort wieder auf die große Landstraße zu kommen. Am Ende wurde es doch wieder der Parkplatz am Bernardino. Nicht ideal, aber ok. Nach einer mittelguten Nacht überraschte uns der erste Frost an der Innenscheibe. Der Winter kam mit kleinen Schritten näher. Auch die Berge um uns herum waren oben rum angezuckert und das ist mitunter einer der geilsten Jahreszeiten. Blauer Himmel, bunte Bäume und weiße Berggipfel. Perfekt. Wir fuhren noch durch den Tunnel bis zum Rastplatz am Lago d’Isola, gingen dort noch kurz zum See runter Fotos machten und frühstückten dann im Bus. Beeindruckend war übrigens die große Toilette, die die Schweizer hier rein gebaut hatte, aber anderes Thema.
Danach gings direkt nach Faido, dort noch ein Brot geholt + einen Espresso und Nussgipferl auf dem Weg gegessen, bevor es nach dem Einkaufen hoch ging nach Chironico. Wir steuerten direkt auf Doctor Med Dent zu. Kurz nach uns kamen auch zwei Jungs dazu, die waren aber schon mit dem Boulder fertig, da hatte ich mich noch nicht mal final warm gemacht. Wir probierten die Boulder links von Doctor med dent, die teilweise strange und gar nicht mal so leicht waren für den Grad. Irgendwann beschloss ich dann doch ein paar Versuche in Doctor med dent rein zu feuern. Tatsächlich ging der Start ok, der Zug zur Kante hoch brauchte dann aber so viel Körperspannung (und Fingerkraft), dass ich es einfach nicht schön her brachte. Aber alleine wieder an solchen Zügen zu arbeiten, zu tüfteln und zu probieren machte mega Spaß. Auch Laura machte mit und es fühlte sich ein wenig wie früher an. Nachdem unser Energie-Level langsam abnahm und wir eine Pause brauchten verließen wir den Boulder und gingen zum Bus zurück und snackten dort in der Sonne.
Danach entschieden wir uns zu Fuß runter zu gehen zum Sektor Nivo bassa. Wir waren kurz verwirrt, weil wir dachten wir wären in Nivo alta, aber nachdem wir die ersten Boulder gefunden hatten war alles klar. Der Sektor war neu für uns (hatte sogar einen Parkplatz + Dixies), so dass es erst mal hieß scouten zu gehen. Alles war bissl verblockt, aber der Boulder mit „The Loneliness of the long distance runner“ war mal echt krass. Leider war da schon eine Gruppe unterwegs, so dass wir zu Ron Fon rüber gingen. Auf dem Papier war es „nur“ eine 6A+, aber ich bekam den Anfang nicht richtig hin, geschweige denn das Ende. Ich war bissl frustriert, Laura ging weiter Boulder jagen und eigentlich waren wir schon am zusammen packen. Da nahm ich nochmal mein Handy in die Hand, suchte den Boulder und fand ein proper Mädchen, welches den Boulder machte. Das motivierte mich dann so stark, dass ich doch nochmal rein ging (Laura war beim zurück kommen sehr verwundert) und mit Hass hatte ich ihn dann. So…
Danach machten wir aber echt Schluss und gingen zurück zum Bus/Camping und genossen dort die Sonne, die Farben und die Ruhe. Camping Gottardo ist einfach ein Happy Place.

Am Sonntag das übliche Prozedere. Nussgipferl, Holzofenbrot und Kaffee. Heute fuhren wir tatsächlich zu Nivo alta und parkten vor dem Eingang des Sektors. Wir fanden schnell einen schönen Boulder, doch war der noch zu schwer für mit ohne Aufwärmen. Wir gingen dann vor, suchten rum und am Ende landeten wir bei El Talisman/6B. Der erste Zug raus war brutal weit, so dass wir den noch ausließen und uns an den Endzügen aufwärmten. Der Boulder lag direkt an einer Kante, so konnten wir zwischen den Versuchen immer vor gehen und den Blick über das Tal schweifen lassen. Es war einfach Wahnsinn aktuell. Die Bäume strahlten in feinstem Gelb dazwischen noch einzelne grüne Bäume. Dann noch die angenehmen Temperaturen und der blaue Himmel. Das war einfach die schönsten Zeit. Alles war golden. Als ich warm war und das Ende gemacht hatte probierte ich es mit dem ersten Zug, aber keine Chance. Der war einfach zu weit weg. Danach gingen wir noch zu einem 6A Block, den Laura gut ausboulderte und auch durchstieg. Wir hatten keine Eile, so dass wir dazwischen auch immer wieder länger einfach nur auf dem Crashpad saßen und chillten. Schlimmer war wieder dieses Kopfspiel mit den Graden. Irgendwie braucht man sie, aber man vergleicht sich so oft, dass man immer denkt, kann doch nicht sein, dass 6A gleich geht, 6B manchmal und 6C gar nicht. Ätzend. Das musste ich unbedingt in den Griff bekommen. Es war Zeit zum Boulder vom Anfang zu gehen, Noblesse oblige/6C. Die ersten Züge gingen besser als gedacht, doch dann kam mitten im Dach die Crux. Ein weiter Zug von einem Band evtl. mit oder ohne Zwischengriff zu einem Henkel. Ich probierte immer wieder rum, baute Spannung auf, zog einzelne Züge, aber die Crux wollte nicht fallen. Egal, wie gesagt, es geht um den Prozess. Dieses rumbasteln und am Ende merkt man den Fortschritt, dass ist der Spaß am Bouldern. Am Ende war ich doch gut zufrieden, denn was am wichtigsten war…es hat Spaß gemacht, wir waren draußen und wir waren glücklich. Mit diesem Gefühl ging es zurück zu Myr und da wir noch nicht wirklich viel gegessen hatten fuhren wir hoch zum Dorfplatz und bauten dort unsere Küche auf und machten das gekaufte Fondue. Das schmeckte mega gut, und mit dem Blick hätte es nicht besser sein können. Als wir dann aufbrechen wollten catchte uns der Blick am Staudamm und wir blieben spontan stehen und gingen zu diesem rüber. Es eröffnete sich ein krasser Blick in das Tal rein, tief ausgewaschener weißer Fels, dazu die gelben Bäume und der blaue Himmel. What? Warum waren wir in all den Jahren nie hier. Wir sprangen auf dem Fels rum, machten Fotos und freuten uns wie kleine Kinder, dann noch das obligatorische Foto von der Kirche und den weißen Bergen im Hintergrund. Perfekt. Danke Chironico!