17.03.2023: Engelberg

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Tatsächlich schafften wir es noch einmal nach Engelberg und damit auf die Bretter. Aber auch nur, weil wir die Freeride Days beim Dani gebucht hatten. Wir hatten den Freitag frei genommen, so dass wir Donnerstag nach der Arbeit los fuhren und es auch noch rechtzeitig bis zum Camping schafften. Hier der erste „Schocker“. Eine Gasdruckfeder vom Aufstelldach war defekt geworden, so dass es nicht mehr hielt. Egal. Hauptsache schlafen, morgen weiter schauen. Die Nacht oben ging einigermaßen gut, auch wenn ich mich immer zur Seite drehte um von der nach unten hängenden Ecke weg zu kommen. Am nächsten Morgen machte ich das Dach dann doch zu. Die Belastung auf den Scharnieren war mir zu groß. Wir bekamen schon gestern die Info, dass unser Plan für heute sich geändert hätte. Wir hatten Ski&Fly gebucht, aber für den Nachmittag, so dass wir ausschlafen konnten. Leider war Wind am Nachmittag angesagt, so dass wir auf Vormittag verschoben wurden. Kein Ausschlafen. Wir packten unser Zeug, waren noch verwirrt was man so braucht und machten uns auf zum Skibus. Ich kauften mir noch auf den Weg ein Nussgipferl und einen Kaffee, den ich in der strahlenden Sonne genoss. Mit der Gondel gings hoch zum Trübsee, wo wir dann auch den Rest der Gruppe trafen. Die Guides, Erich und ein Kollege, verteilten kurz das Material und danach hieß es auf dem Winterwanderweg Richtung Bitzistock bzw. dem alten Schlepperlift vor skaten. Dort legten wir das meiste Zeug ab und bekamen die „Gurte“ angezogen. Also..meiner war ja noch so als Gurt zu erkennen. Bei Laura war ich mir nicht ganz sicher. Es sah mehr nach drei Dyneema Schlingen und zwei Expandern aus. Irre. So stiegen wir mit den Ski ca. 80m hoch auf eine kleine Kuppe und bauten alles auf. Erich gab uns ein Kurzintro bzgl. Gleitschirmfliegen. Danach war Laura gleich als erste dran. Wir breiteten den Schirm aus und warteten noch kurz auf weniger Wind. Dann gings los. Erich schob sie an, der Gleitschirm baute sich auf, sie fuhr weiter, die Richtung passte, der Schirm passte und plötzlich war mein Kleines in der Luft. Total easy, total unspektakulär verließen ihre Ski den Schnee und sie flog über den Hügel Richtung zugefrorenen Trübsee zu. Sie machte eine leichte Linkskurve, ständig von den Guides eingewiesen und landete ganz sanft auf dem See. Krass. Die Freudenschreie waren bis oben zu hören. Danach waren wir dran. Es flog einer nach dem anderen los, teils ebenso problemlos, teils mit größeren Startproblemen. Irgendwann war Laura auch wieder da und strahlte nur so. Dann war ich endlich an der Reihe. Bei mir ähnliches Prozedere und ohne größere Schwierigkeiten kam der Schirm hoch, die Geschwindigkeit nahm zu und auch ich war plötzlich in der Luft. Ich war total verblüfft wie hoch ich auf einmal war (ca. 50&60m). Mit leichten Korrekturen flog ich meinen Bogen und landete ebenso sanft auf dem See. Wie krass war das bitte. Mega geil. Unten half mir der andere Kollege noch schnell mit dem Schirm und danach gings wieder hoch. Euphorie machte sich bei allen breit und wir machten bei unterschiedlichen Windverhältnissen insgesamt drei Durchgänge (Laura sogar vier). Es war echt ein geiles Gefühl und mega, dass man wirklich gleich flog. Es kam auch nie wirklich Unsicherheit auf, auch wenn ich wegen schlechtem Wind quer durch den Hang flog. Das dauerte bis in den frühen Nachmittag hinein und am Ende suchten wir alle Schutz im Schatten, da die Sonne ständig runter schien. Wir waren echt dehydriert und hatten fast einen Sonnenstich. Nach einer kleinen Pause gings dann den Wanderweg zurück bis zur Liftstation und von dort gönnten wir uns im Restaurant noch eine Currywurst und ein Bier. Wir besprachen so das weitere Vorgehen, also Kurse, Material, etc. So langsam reifte ein Gedanke.
Völlig fertig, obwohl wir fast nix gemacht hatten, gings mit der Gondel runter und dann mit dem Bus zurück zum Camping. Hier gönnten wir uns noch die Saunalandschaft (die große Sauna ist einfach zu heiß) und danach waren wir zu nix mehr bereit außer noch am Bus chillen, Nudeln mit Pesto essen und dann total fertig ins Bett zu gehen.

Am nächsten Morgen waren wir uns nicht sicher ob wir aufstehen sollten oder nicht. Wir waren geplättet. Nicht nur der aufregende Tag gestern, sondern auch die Wochen davor. Vor allem Stand heute der schwierigste Kursteil bevor. Scared! Leider ging ein verschieben auf nochmal Ski&Fly nicht. Wir waren zwar emotional leer, aber rafften uns dann doch auf. Wir trafen uns wieder alle oben an der Gondelstation Trübsee und wurden in Gruppen eingeteilt. Wir bekamen einen sehr chilligen Guide zugewiesen und waren noch mit einem Franzosen (Marc Picard) zusammen. Wir fuhren zum Jochstock hoch und von da ins Sulz. Die ersten Schwünge fühlten sich komisch an. Vor allem war ich total ausser Puste. Aber es gings zum Glück nur kurz runter bis  zum ersten Couloir. Hier zeigte uns der Guide die üblichen Techniken und Punkte auf die man achten sollte, wenn man einen Schneeanker baut. Wir buddelten ein Loch in zunächst gutem Schnee, doch weiter unten war es nur pulvrig ohne Bindung. Nachdem wir einen Meter tief waren entschieden wir uns doch für eine andere Stelle und dieses mal war der Schnee besser, so dass die Rückenlehne eines alten Holzstuhles hier gut hielt. Wir machten den Ankerstich dran und vergruben das Holzstück mit Schnee wieder. Danach war Laura als erste dran. Die Rinne sah erst noch ok aus, was aber dann folgte und von uns keiner wusste, war der Eisfall der am Ende wartete. D.h. es ging direkt runter und Laura kratze sich mit den Ski an den Füßen den Eisfall runter. Danach war ich dran und ich staunte nicht schlecht, als ich über die Kante schaute. Alter…ALTER. Auch das Ende, also der Anfang der neuen Rinne, war nicht wirklich geil. Hartgefroren und steil. Ich bekam kaum Halt als ich mich ausband und musste mich schon sehr fokussieren. Laura war aus der Schusslinie und so machte ich mich auch auf die ca. 5-8Meter runter zu gehen um dann aus der Rinne raus, in einen bereiteren Abschnitt queren zu können. Marc kam hinterher und als letztes unser Guide. Für den war das alles Kinderfasching und er fragte uns auch ob wir den Rest runter fahren möchten. Ich schaute runter und war mir sicher. Nein. So baute Jonas noch schnell einen weiteren Schneeanker und ließ Laura und mich ab. Marc kämpfte sich gut runter, auch wenn er mehr rutschte als fuhr. Für Jonas war das alles kein Thema und er war mit ein paar Schwüngen bei uns. Boah…danach folgte eine Abfahrt durch das untere Sulz im schweren Schnee. Auch das raus kommen aus dem Sulz forderte noch etwas Kraft, so dass ich zurück am Lift einfach fertig war. Wir machten es nun so aus, dass wir noch eine Runde machte und oben dafür jetzt gleich mehr Pause. So fuhren wir wieder hoch zum Jochstock, ins Sulz rein und dafür nahmen wir einen Rinne weiter links. Eins muss man den Rinnen lassen. Die Zufahrten sind mega geil vom Schnee, weil es wenige fahren und damit auch wenige Spuren drin sind. Wir machten somit länger Pause am Einstieg. Jonas bereitete in der Zwischenzeit alles vor, danach hieß es wieder Skistöcke hinterm Rucksack stecken und abseilen. Ich war als erster dran. Dieses mal kein Eisfall, dafür war die Rinne gefühlt steiler als die erste. Ich stand nahezu Bewegungs-unfähig in der Rinne und wartete bis Laura, Marc und Jonas da waren. Marc fuhr langsam runter bzw. rutschte runter. Jonas fragte noch ob wir es selber machen wollen oder uns anseilen wollten. Ich fühlte mich einfach nicht runter fahren, so dass ich sagte, ich hätte gerne das Seil. Dieses mal war es mehr ein hintersichert-sein, da ich auch abrutschte und das Seil nur als Stabilisierung verwendete. Als wir wieder draußen waren, erwartete uns wieder die Abfahrt durchs Sulz. Oh mann..wie unfit kann man eigentlich sein. Aber irgendwie beides zu machen, also Bouldertraining und Ausdauertraining, das ging irgendwie nicht. Zumal diese blöde Arbeitssituation noch war. Fertig, aber ohne Probleme verließen wir das Sulz und ein schon etwas wehmütiger Blick ging von mir zurück. Was für schöne Berge, wie unfit/unfähig ich aktuell einfach bin es zu genießen und wie sehr ich sie jetzt schon vermisse. Zurück am Trübsee dankten wir Jonas für das schon auch geile Abenteuer und machten uns auf zurück zum Camping. Der Tag war noch irgendwie voll. Wir kamen an, verstauten unser Zeug, duschten, chillten noch kurz und dann mussten wir schon wieder zurück ins Dorf. Wir waren nämlich noch auf dem Vortrag von Jeremie Heitz eingebucht, und zwar im Bellevue. Wir waren das erste mal in diesem Hotel drin und ich muss sagen, auch das haben sie super schön her gerichtet. Eine gute Mischung aus alt und modern. Im großen Saal war der Vortrag, wir kamen aber frühzeitig an, so dass wir noch die Gelegenheit hatten ein paar Bier vorab zu trinken. Danach der Vortrag vom Jeremie. Er ist sicher eine coole Socke und macht geiles Zeug leider kam bei mir nicht ganz der Funke über. Lag wohl auch am Moderator. Egal wie, krass was der macht und sicher inspirierend. Anschließend gings rüber in die Skilodge, wo wir das Skiers Dinner gebucht hatten. Leider war das die gesamte Veranstaltung, so dass wir ewig warten mussten bis alle da waren. Das Essen war wie immer mega gut, doch irgendwie war das so ein Tag wo ich einfach Lust auf einen Burger hatte und dann kann ein Blumenkohl einfach nicht mithalten. Ich war aber auch etwas drüber. Zu viel Input, zu viel Emotionen, zu viel von allem und ich war müde. Da wir nicht ewig warten wollten bis ein Taxi kam sagte ich, komm lass uns zu Fuß zurück gehen. Es war sooooo weit. Wir waren locker eine halbe Stunde unterwegs und bei Myr angekommen viel ich nur in einen tiefen Schlaf.

Letzter Tag. Ausschlafen, kein Stress. Nur testen. Ski testen. Wir schliefen aus, ließen uns Zeit mit dem Frühstück, packten alles zusammen und machten uns dann auf. Wir parkten am Bahnhof und gingen ohne Ski hoch zum Trübsee. Dort waren schon die unterschiedlichsten Skihersteller präsent und wir fingen mal mit Faction an. Dafür gings rüber zum Jochstock. Naja…der Ski flatterte und war irgendwie nicht voll überzeugend. Dafür gings auf der festen Piste ok, im Tiefschnee, den wir ab dem Jochpass neben den neuen Pisten noch etwas fanden, eher nein. Zurück beim Testcenter wechselten wir auf Zag. Die Leute waren zumindest Profis im Bindung einstellen. Kein Wunder, es waren ATK Bindungen. Wir blieben dieses mal auf der Stand Seite. Mit der Gondel hoch konnten wir nochmal unsere Rinnen von gestern betrachten und waren mächtig beeindruckt. Der Ski selber war ok. Also nicht so verspielt wie ein Black Crow, aber gut für so einen leichten Ski. Letzter Test war Scott. Also…das ist schon mal ein Brett. Braucht unglaublich viel Kraft zur Schwungeinleitung, bügelt aber alles platt. Zu extrem. Nicht so voll überzeugend. Aber diese drei Tests langten mir von vorne bis hinten. Black Crows taugt mir einfach am besten und ich war körperlich durch. Wir gönnten uns noch ein Mittagessen im Stüberl bevor es runter und zurück zu Myr ging. Wir packten alles ein, tauschten Winter gegen bequeme Reisekleidung und machten noch einen schnellen Abstecher in der Roastery bevor es zurück nach München ging.

Was soll ich sagen. Engelberg, du bleibst meine Liebe und enttäuscht nie. Dieses mal war ich nicht voll vorbereitet, aber es hat mega Spaß gemacht. Und ja…ab der Autobahn redeten wir über Gleitschirmfliegen.

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