25.05. – 17.06.2012: Rocklands

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 Es ist soweit. Der große Urlaub des Jahres steht bevor. Südafrika.

Am Anfang bin ich noch ziemlich nervös. Ich hab mir zwar viele Berichte durchgelesen, natürlich unmengen an Rocklands Videos angeschaut, aber ich weiß immer noch nicht was mich erwartet. Wie ist das Land? Wie sind die Leute? All das bekommt man nicht so mit. Mit dieser Restunsicherheit muss es wohl los gehen.

Ich könnte jetzt jeden Tag runter schreiben, aber das wäre für die meisten dann doch zu langweilig zum lesen, daher hab ich mich für die einprägsamsten Erinnerungen entschieden.

Leute:

Kommen wir zu den beiden offenen Fragen. Wie ist das Land und wie sind die Leute? Dies ist in der Tat nicht so einfach zu beantworten. Ich war schon sehr irritiert, dass das Thema Apartheid immer noch so ein großes Thema ist. So zumindest hab ich es erlebt. Weiße sagen an, Schwarze machen. Weiße genießen, Schwarze arbeiten. Egal wo, mal stärker mal schwächer ausgeprägt. In Kapstadt selber ist es extremer. Hier ist die Kluft zwischen arm/reich bzw. schwarz/weiß extrem. Teils sogar so schlimm, dass einige Schwarze den Blick nach unten senken, wenn man sie als Weißer direkt anguckt. Sie werden zum Arbeiten in die Stadt gefahren und am Abend verschwinden sie wieder in ihren Townships. Auf so eine Trennung war ich nicht vorbereitet. Auf dem Land ist es zwar abgeschwächt, aber immer noch vorhanden. Hier ist man auf die gegenseitige Hilfe einfach angewiesen, dennoch wohnt der weiße Grundbesitzer im modernen Haus, der schwarze Arbeiter in der Hütte nebenan. This is Africa.

Trotz dieser Trennung kann ich nur positives Berichten. Die Leute waren alle druchweg nett und ich werden nie den einen Schwarzen auf der Autobahn vergessen, der seine Hilfe angeboten hat, als unser Auto überhitzte!!!!

Land:

Das Land ist einfach der Wahnsinn. Zum einen merkt man es schon beim Hinflug. Es ist unglaublich groß. Man fliegt neun Stunden lang nur über rote Erde. Zum anderen ist es Landschaftlich (zumindest das Eck) auch grandios. Schroffe Gebirgszüge (zwar nicht so groß wie unsere Alpen, aber dennoch ausreichend) wechseln sich mit dem Meer ab. Dazwischen natürlich die Steppe. Kapstadt selber ist eher langweilig, da es eine typische Kolonialstadt ist. Hier sind die Dörfer drum herum (Kalk Bay & Co.) interessanter. Das Kap selber, gut…es ist halt eine Landzuge die einmal endet ;-), dennoch sehr schön, vor allem die Artenvielfalt von Springbock, Strauß, Walroß, Pinguin usw.

Rocklands:

Natürlich die Rocklands..Grandios. Einfach der Wahn, einfach super. Bester Sandstein und geiler Qualität, mit einer granitartigen Rauhigkeit. Die Kletterrei ist hauptsächlich athletisch, überhängend mit weiten Zügen an mittleren bis kleinen Leisten. Natürlich findet man auch alles dazwsichen (Platten, Sloper, Mantle). Mir hats einfach unglaublich Spaß gemacht, da ich solche Felsformationen noch nicht geklettert habe. Die Bewegungen sind flüssig, aber kräftig. Es muss gehookt werden, es muss gesprungen werden, es muss einfach nur festgehalten werden. Dabei bewegt man sich durch eine atemberaubende Landschaft, die mich jedesmal immer kurz inne halten ließ um das Felsenmeer anzuschauen. Sehr positiv kommt hinzu, dass man vom Camping locker in 10 verschiedene Sektoren kommt, somit nicht mal unbedingt ein Auto braucht und direkt vom Zelt aus starten kann. An sich sind alle Sektoren genial, aber herausgestochen haben die ganzen Camp Sallie Sektoren sowie Fields of Joy und Roadcrew.

Unvergessen natürlich auch der Camping. Idylisch an einem kleinen Hain gelgen findet man unter den Bäumen die Zeltplätze. In der Hochsaison muss es einfach brutal zugehen (laut Aussage der anderen), so dass die komplette angrenzende Wiese voll ist und sich über 200 Zelte dort befinden. Zum Glück durfte ich es im kleinen Rahmen kennen lernen. Der „Spirit“ ist schon sehr geil im Camp. Man merkt, die Leute sind nicht nur auf der Durchreise sondern viele bleiben für mindestens einen Monat, viele auch für drei Monate. Man hilft sich, man unterhält sich, keine Spur von Mißgunst oder Neid. Natürlich trifft man auch auf fertige Typen, die einfach etwas hängen geblieben sind und erst mal zwei Wochen nur chillen (siehe Rick). Um das Ganze dann abzurunden ist dann halt noch die Bar. Ein großer Übersee Container, randvoll mit Alkohol, daneben der Steinofen (Samstags immer Pizza) und die große Feuerstelle. An dieser Bar passiert das „Leben“. Hier kommt auch mal der Besitzer (Thys) vorbei und schießt sich zusammen mit den anderen mal richtig ab, hier wird auch die Pizza gemacht, hier wird gelacht, getanzt, am Griffbrett rumgehangen und von hier aus fährt auch der Soultrain los.

Thys ist eine Marke für sich und er bleibt mir sicher noch lange in Erinnerung. Ein super Typ, der einem immer geholfen hat und den ganzen Camping mit Leib und Seele führt. Er hat einfach Spaß oder auch nur Langeweile und genießt es wenn die Kletterer da sind. Nebenbei versucht er auch förderer für ein lokales Talent zu finden und gönnt sich einen Urlaub, wenn Nalle (Hukkataival) da ist, da dieser dann den Camping führt.

Unvergessen auch die Einkäufe in Clanwilliam mit allerlei Überraschungen, von Cream Mais (eingelegter Mais in süßer Pampe) über den großen 10kg Vorratssack, den sich Rick und Co gekauft haben, der mit Kohl, Mehl, Reis, Kartoffeln und sonstigem gefüllt war oder auch das Gemischte vom Schwein in einem 25kg Plastiksack.

Essen:

Wo wir schon beim Essen sind. Auch hier hat uns unser Glück nicht im Stich gelassen. Hier mal einer Liste der Hotspots:

Nancy’s Tea Room (Clanwilliam, geiler Kuchen), Kelder Bar (Clanwilliam, waren wir zwar nicht, soll aber saugute Burger machen), Die Sitrus Grill (Citrusdal, die besten Steaks und Pommes ever), Funky Tastebuds (Deli in Lamberts Bay, mit den besten Flap Jacks) und gleich daneben der Bar mit dem besten Sonnenuntergangsblick und Katerfrühstück (Pommes mit Jägersoße), Hudsons (Kapstadt, Burger Bar mit eigenen Bier), Giovanni’s Deli (Kapstadt, italienischer Espresso und Antipasti), Vovo Telo (Kapstadt, der Treffpuntk für ein pochiertes Ei), Olympia Cafe und Bäckerei (Kalk Bay, das Restaurant schlecht hin…Volltreffer! Hier ist einfach alles gut.), Kalky’s (Kalk Bay, Fish & Chips vom feinsten).

Auto:

Ja ,das verdient auch ein eigenes Kapitel. Wir haben als Leihauto einen 21 Jahre alten Citi Golf bekommen (Velo-Citi war ein beliebter Wortwitz), der knapp 250.000km drauf hatte, aber dennoch einmalig fuhr. Klar hatte er seine Probleme wie z.B. das der Beifahrersitz locker war, er nicht immer Ansprang, der Kühlmittelbehälter hoch ging (was aber durch eine alte Socke repariert werden konnte), nicht alle Türen auf gingen…aber er hat uns treu und tapfer begleitet. Auch als wir aus versehen von der Autobahn direkt in ein Township gebogen sind, ist er brav an geblieben. Danke dafür, denn das war der einzige Moment wo ich ein verdammt ungutes Gefühl hatte.

Abschließend, kann ich nur sagen danke, dass ich das alles erleben durfte. Ich hab eine Menge nette Leute kennen gelernt und viel Spaß gehabt. Es war eine sehr sehr schöne Zeit. Ich bin mir sicher, da will ich wieder hin.

This was Africa.

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