Dank meinen Überstunden, die ich irgendwann abbauen musste, entschied ich mich diese Woche frei zu nehmen und ins Tessin zu fahren. Naja, entschied klingt so leicht, aber ich glaub ich hab Laura fast zur Weißglut gebracht, weil ich mich einfach nicht entscheiden konnte wohin. Mal war das Wetter gut, aber die Trails lagen zu hoch (Schnee), dann wars mal vom Wetter zu wechselhaft, dann wieder zu weit weg…
Letztendlich ists das Tessin geworden mit der schönen Tatsache, dass Niko am Freitag noch nachgekommen ist. Aber von Anfang an. Dienstag Früh bin ich los und ca. 4,5h später war ich dann in der Nähe von Lugano an der Monte Tamaro Bahn, die das erste Ziel darstellen sollte. Wetter gut, aber stark bewölkt bzw. wechselhaft. Über einen anfangs angenehmen, aber später zwischenzeitlich steileren Trail, gings nach oben. An der Alpe Foppa gönnte ich mir eine kurze Pause da es leicht zum nieseln angefangen hatte. Das Panorama von da beeindruckte mich zu dem Zeitpunkt zwar, allerdings wusste ich ja noch nicht was die nächsten Tage folgen würde. Ich machte mich dann auf zum Gipfel, allerdings sah ich schon von weitem. Schneegefüllte Serpentinen. Noch in der Hoffnung, dass es nicht so schlimm ist musste ich vor Ort feststellen, dass der Schnee immer noch sehr tief war + unglaublich weich. Noch hadernd ob ich weiter soll nahm mir das Wetter die Entscheidung ab. Es fing an zu Gewittern und so machte ich mich auf den schnellsten Weg runter und dann auf nach Cureglia (einem Vorort von Lugano) zum Campingplatz. Dort genoss ich dann noch den schönen lauen Abend bei einem prächtigen Wolkenspiel.
Mittwoch gings dann nach Locarno rüber mit dem Ziel Alpe Neggio. Der Asphaltstraße folgend schraubte ich mich hoch. Zwischenzeitlich traf und überholte ich einen Opa auf dem Rennrad, musste aber später doch deutlich Gas geben um vor ihm zu bleiben. Oben an der Alpe angekommen machte ich erst mal Pause. Der Opa kam schließlich dann doch an und mit Endorphinen voll gepumpt schmiss er fast sein Rennrad in die Ecke, streckte die Arme zur Seite raus und posaunte „72Jahre… und immer noch komm ich hoch“. Der Alte war schon lustig. Er hat mir dann alle möglichen Geschichten erzählt (wie er Chapuisat (Ex-Dortmund Spieler) kennt, wie er in den Puff geht und wie er nie nach Italien fahren würde). Irgendwann sagte ich Tschüss und machte mich auf zum Gipfel. Am Ende musste ich ca. 150Hm noch hoch schieben, aber das Panorama von dort oben genial. Das Maggia-Delta ist anderswo kaum schöner zu sehn. Es war einfach unglaublich. Von dort querte ich den Berg und fuhr auf der Nordseite nervös meinen ersten richtigen Trail der Saison runter. Besser als gedacht gings dann bergab, allerdings kam mir Wald dann das Laub dazwischen. Hier war es so viel, dass ich den Weg quasi gar nicht mehr sah und statt im Schnee diesmal im Laub bis zu den Knien versank. Egal, die Aussicht wars wert.
Am Donnerstag stand die Alpe di Gesero auf dem Programm. Von Bellinzona gings erst am Fluss entlang Richtung Roveredo. Dann scharf rechts in die Berge. Erneut einer Asphaltstraße folgend schraubte ich mich hoch. Oben dann eine kleine Überraschung. Das Dorf oben hieß Laura und ich wurde auch freudig mit „Benvenuti in Laura“ begrüßt. Natürlich machte ich ein Foto. Von dort dachte ich sind die letzten 250Hm ein Klacks, aber weit gefehlt. Durch die starken Schneefälle diesen Winter war an vielen Stellen der Schneedruck so hoch, dass unzählige Bäume weiter oben auf der Straße lagen. Hier musste ich teilweise sehr weit außen rum gehen um überhaupt durch zu kommen. Fast schon vergessen erwischte es mich oben dann wieder mit dem Schnee. Erst nur kleine Felder, dann größere und dann fast ununterbrochen. Ich wollte schon fast zurück, als plötzlich zwei Schweizer hoch kamen. Ich redete kurz mit denen und der eine meinte es wird dann nach dem zweiten Tunnel oben besser. Ok, ich glaube dem Local-mit-Helm mal. So stapften wir hoch bis zum Tunnel. Dort dann eine echt geniale Stimmung, fast wie aus einem Fantasy Roman. Der Tunnel war fast halb hoch mit Schnee zugeschüttet, diese erste Wulst querend gelangte ich zum Tunnel, dann der erste Schritt…blankes Eis. Ich konnte das Ende des geraden Tunnels schon sehen (ca. 150m vor mir) doch dazwischen stand die blanke Eisschicht auf dem Boden. An der Seitenwand mit der rechten Hand festhaltend und in der Linken das Bike kämpfte ich mich nach vorne. Immer wieder einen Fuß im den schmalen Spalt steckend zwischen Eis und Wand. Einfach genial. Auf der Gegenseite wars leider nicht viel besser mit dem Schnee. Wir fuhren/stampften weiter bis zum Einstieg vom Trail, aber ab dann wusste man, es hat sich gelohnt. Eigentlich dachte ich, dass ich den beiden nicht folgen kann auf den Trails und meinte schon sie sollen vor fahren, doch es ging besser als gedacht. So rasten wir zu dritt die Trails runter und dank den beiden vor mir konnte ich immer die beste Linie erwischen und mein Selbstvertrauen was die Trails anging wuchs und wuchs. Den Abschluss bildete dann eine geile Steinstraße die direkt nach Bellinzona führte. Was für ein Trail.
Freitag Früh regnete es und ich nutzte den Tag um mal richtig auszuspannen. Ich blieb einfach im Bus liegen, las und aß ;-) Nebenbei beobachtete ich, ja ich muss es sagen mit etwas Schadenfreude, wie ein junges Pärchen im Regen ihr Zelt abbaute. Gegen Nachmittag dann riß der Himmel auf und es wurde wieder schön. Am Abend machte ich mich dann ins Gewusel von Lugano, Richtung Bahnhof, um Niko abzuholen, der Dank der schweizer Bahn auch pünktlich am Bahnsteig war. Als ob nix gewesen wäre kamen wir gleich wieder ins Gespräch und verbrachten einen echt schönen Abend.
Samstag gings nach einem guten Frühstück mit Niko auf Richtung Monte Bar/Val Colla. Halb quatschend, halb schauend schraubten wir uns gemütlich die Teerstraße hoch. An der ersten Alpe angekommen gönnten wir uns einen Tessiner Teller (Wurst und Käse) und machten uns so gestärkt auf in die Querung. Die Querung ist mehr oder weniger ein Trail-Höhenweg den man eigentlich gut fahren kann. Dennoch durch das hoch und runter anstrengend. Auf der Gegenseite angekommen zuppelt es noch kurz auf und ab bevor es in einen echt schönen Trail runter geht. Mit einem breiten Grinsen im Gesicht kamen wir dann auch wieder in Lugano unten an. Jetzt hieß es aber erst mal einkaufen gehn. Schoki und Bier. Im örtlichen Coop entdeckten wir dann auch die wohl größte Toblerone der Welt. Leider etwas teuer..aber den Spaß wäre es wert gewesen.
Sonntag dann leider schon der letzte Tag. Diesmal ging es zum Monte Lema. Die Tour ist zwar jetzt nicht lang (1100Hm), aber schon sehr fordernd. Erst hat man das Gefühl einmal um den ganzen Berg zu fahren bevor man in richtig steile Rampen kommt, die zum Glück gerade so lange andauern, dass man nicht gleich vom Bike kippt. Dann gehts wieder eine Trailquerung rüber und erneut in die Rampen. Die letzten hoch zum Gipfel habe es wirklich in sich, aber mal wieder entschädigt das Panorama. Oben an der Bergstation überblickt man Lugano in seiner ganzen Pracht. Abgerundet wird das ganze mit einer ordentlichen Portion Gorgonzola mit Polenta..Saulecker aber unglaublich füllend. Nach dieser Stärkung gings dann nur noch runter über ebenfalls sehr geniale Trails und mit Blick auf den Lago Maggiore zurück zum Bus. Der eigentlich Plan war nun Niko nach Zürich zu fahren, nachdem wir aber trotz Landstraße fast dreieinhalb Stunden über den Bernadino gebraucht haben entschieden wir uns dafür, dass ich ihn in Sargans raus lasse, er mit dem Zug zurück nach Zürich fährt und ich direkt nach Hause. Zum Glück war auch kein Stau mehr, so dass ich gegen elf Uhr dann zu Hause.
Eine saugeile Woche mit noch besseren letzten Tagen ging zu Ende. Ich hoffe Niko und ich schaffen es bald wieder mal gemeinsam eine Tour zu machen.
