Nachdem unsere ganzen Urlaube dieses Jahr immer wieder wegen der Jobsituation von Laura ausgefallen sind, haben wir uns nun eine Woche im August frei genommen. Ziel war relativ schnell gefunden. Die hohen Berge des Wallis. So ging es wieder nach Sierre.
Nach einer etwas anstrengenden Fahrt (dank Stau in Zürich) bis nach Sierre gibt es nix besseres als sich aufs Bike zu hocken und einen Entspannungstrail zu fahren. Wir suchten uns hierzu den guten alten Christ du Roi aus. Nicht zu hoher Anstieg, dafür viel Spaß beim runterfahren. Wir strampelten die Höhenmeter ordentlich hoch und von der Statue dann der gewohnt geile Trail. Jep, der ging mal gut ab und so langsam merkt man im Vergleich wie viel man übers Jahr gesehen dazu gelernt hat. Im Vergleich zum letzten Mal ging der heute geschmeidig runter. Auf den Weg runter haben wir natürlich immer mal wieder Pause gemacht um das einmalige Panorama mit den Weinbergen und den echten Bergen auf uns wirken zu lassen. Zufrieden unten gings dann nach Leuk zum Camping Gemmi. Dort haben wir mal wieder durch Zufall einen schönen Camping gefunden. Simpel, nicht zu groß, ruhig. Einfach perfekt.
Das Wetter war für Sonntag (17.08.) gut vorhergesagt und so versuchten wir eine Tour, die uns schon seit letztem Jahr im Kopf rum spukt. The Brazilian. In der Früh gings dann gleich los zum Lift nach Sierre. Dort mussten wir dann kurz warten, da wir nicht die einzigen Biker waren. Mit der Gondel erreichten wir Vercorin, ein super schönes Dörfchen auf der ersten Anhöhe über dem Wallis. Hier mussten wir kurz durch die Stadt radeln bis wir mit dem zweiten Lift am Cret-Du-Midi ankamen. Hier eröffnete sich uns schon das Panorama und gleich die nächsten Projekte. Der Meidpass, das Turtmanntal und der Col de Cou. Unser heutiges Ziel. Nach einer kurzen, aber sehr geilen Abfahrt hieß es wieder selber strampeln bis wir das Vallon de Rechy erreichten. Hier machten wir noch kurz Pause, denn nun hieß es 350Hm hoch tragen. Dies ging aber leichter als gedacht, so dass wir auch schon bald das Col de Cou erreichten und uns ausruhen konnten bevor es runter ging. Ein perfekter Anlehn-Stein, die Sonne im Gesicht, eine leichte Brise von hinten…Einfach perfekt. So langsam hieß es aber dann doch aufsatteln und bereit machen für die Abfahrt. Ich hab ja nur Superlativen gehört von dem Trail, daher war meine Neugier groß. Der erste Teil war dann eher langweilig, weil nur eine Skipiste runter ist, anschließend kam eine kleine, leicht geneigte Querung, wo man einige Male selber noch in die Pedale treten musste. Dann aber gings los. Über einen weiten Rücken zog sich der schmale Weg runter. Nie zu schwer, immer gut fahrbar, einfach genial. Teilweise musste wir echt stehen bleiben um unseren Adrenalin-Spiegel wieder runter zu bekommen. So arbeiteten wir uns Stück für Stück runter bis nach Saint-Leonard. Von hier gings dann den Fahrradweg an der Rhone entlang zurück bis zur Talstation. Trotz allem, bleibt bei mir ein gespaltenes Bild beim Trail. Ja, er ist cool. Ja, er macht sauviel Spaß, mir hat aber an einigen Stellen einfach die Würze gefehlt. Vielleicht war ich einfach auch schon zu verdorben was den Hype um diesen angeht.
Am Montag (18.08.) fuhren wir per Auto hoch nach Leukerbad. Den Ort hatten wir schon letztes Jahr schätzen gelernt. Nicht nur wegen der guten Therme, sondern auch wegen der unglaublichen Lage. Hier geht übrigens auch der Gemmipass runter nachdem unser Camping benannt ist. Wir parkten das Auto und fuhren mit den Bikes los. Zunächst relativ ok, wurde der Weg immer steiler und vor allem immer feuchter bzw. beschissener dank der dämlichen Kühe. Irgendwann, kurz vor dem Wanderweg beim Felsabbruch, wars dann soviel Scheiße, dass wir sie aus den gesamten Stollen raus kratzen mussten. Den Weg hoch mussten wir dann schieben, bis wir über ein sehr kurzes Forststraßen-Stück wieder ordentlich den Weg hoch schieben mussten. Dabei dachten wir uns schon die ganze Zeit…war das so beschrieben im Track? Haben die echt so viel geschoben..Keine Ahnung. Muss ich wohl überlesen haben. Dann endlich erreichten wir die Varneralp und wir dachten jetzt kommt der schöne Teil. Leider weit gefehlt. Nachdem wir erst noch eine Kuhwiese überqueren mussten (die mehr als streng von Stieren noch zusätzlich bewacht wurde) fing zwar der Trail nach unten an, war aber mäßig spaßig. An einer Alm konnte man sich entscheiden ob man abkürzt oder noch weiter bis zur Cave du Sex fährt. Wir entschlossen uns (nein, nicht wegen dem Namen) fürs letztere. Dies war grob falsch. Der Trail war dann kaum noch fahrbar, es ging über fette Wurzeln auf und ab und es war alles voller Scheiße. Wenn das schon nicht genug war kamen wir direkt in einen Almabtrieb rein, so dass wir fast eine Stunde hinter Rindviechern her gehen mussten und ihrer Scheiße ausweichen. Ich war dann heilfroh, als der Weg abbog zur Cave du Sex. Dort wuschen wir in einem Bissen (Wasserleitung) die Bikes, aßen kurz etwas und machten uns auf. Die Zeit war schon recht fortgeschritten, da uns vor allem das letzte Stück unglaublich viel gekostet hat. Der restliche Trail war dann besser, fast sogar schon richtig geil, wenn wir noch so fertig gewesen wären. Hier erlebten wir wieder was es heißt im Wallis unterwegs zu sein. Trockene Trails, fast schon wie in Finale, schöne Spitzkehren und das Tal im Abendlicht. So erreichten wir dann auch Leuk wieder und warteten auf den Postbus nach oben. Der kam dann auch pünktlich und für ca. 30€ gings dann hoch nach Leukerbad. Dort holten wir den Bus, ab nach unten, Bikes aufladen und zurück zum Camping..Puh. Jetzt nur noch für die nächsten Tage packen und dann ab ins Bett.
Der Dienstag (19.08.) war Pausetag. Nach dem Vorratseinkauf im Shoppingcenter klärte ich die nächsten Tage ab. Ziel war das Barrhorn und somit die Turtmannhütte. Ich rief kurz an, checkte die Lage, sieht trotz bissl Schnee gut aus, also hab ich die Plätze gleich reserviert. Perfekt. Anschließend wollten wir den Tag eigentlich gemütlich in den Thermen in Leuk verbringen, wo wir schon letztes Jahr waren. Leider verwechselten wir diese Alpentherme mit den Leuk-Thermen. Die Leuk-Therme waren nur eine billige Sauna und ich hab mich richtig geärgert. Aber hilft nix. Entspannt hats trotzdem. Anschließend gings zurück Camping wo wir unseren nächsten Tag planten. Die Ride Tour Varneralp sollte es werden.
Am Mittwoch (20.08.) parkten wir das Auto vor dem Camping (wo wir es netterweise stehen lassen konnte) und fuhren mit den schweren Rucksäcken los Richtung Turtmann. Dort nahmen wir den Hörer an der Talstation der Gondel in die Hand, riefen den Typen oben an, der schickte uns die Gondel und so legten wir schon mal ein gutes Stück Straße und Höhenmeter zurück. Von Oberems gings dann auf der Straße nach oben bis ganz nach hinten ins Tal. Bei Gruben wechselt die Straße in einen Forst/Wanderweg über, der aber noch gut zu fahren waren. Wie strampelten uns bis zu den Stauseen vor und erblickten dann auch den Turtmanngletscher und die Turtmannhütte. Von hier an hieß es die Bikes wieder über die Seitenmuräne schieben bzw. das letzte Stück tragen. Oben angekommen waren wir fertig aber glücklich. Von den Wanderern gab es sogar Applaus. Nach dem einchecken sondierten wir noch die Lage. Wo ist der Einstieg zum Klettersteig, wo geht der Weg weiter, wie ist die Schneesituation. Immerhin waren wir auf 2500m. Das Wetter zog langsam zu und die ersten Flocken rieselten runter. Wir machten es uns in der Hütte bequem und ich begrub meine Hoffnung das Barrhorn mit dem Bike zu machen.
Wir standen früh am Donnerstag (21.08.) auf und versuchten nach dem Frühstück schnell los zu kommen, da viele Berg Neulinge in der Hütte waren und sich mit dem Eispickel fast selber umbrachten. Ohne Bikes gings dann los. Der Klettersteig war dann auch schnell erreicht und auch bewältigt. Das Gelände ist hier zum Glück nicht so schwer. Noch im Schatten des Barrhorns zogen wir über die Moräne hoch und bestaunten den Bruneggletscher. Je weiter wir hoch kamen, desto mehr merkte ich wie gut die Entscheidung ohne Bike hochzugehen war. Das Gelände ist zwar steil und sicher mehr als eine Herausforderung zum abfahren. Schlimmer war der leicht frostige Schutt, der unglaublich glatt war. Am Joch zwischen dem Inneren Barrhorn und dem Schöllihorn machten wir Pause und diskutierten ob wir weiter gehen. Problem waren zwei Schneefelder und wir hatten halt fast nix dabei (Laura ihre Faltstöcke, ich gar nix) und mit den Turnschuhe hatten wir nicht den besten Halt. Wir probierten es, kamen dabei in eine etwas brenzlige Situation (glatter Untergrund), wo wir noch rauskamen und entschlossen uns dann nur auf das Innere Barrhorn zu gehen. Das erreichten wir dann auch unbeschadet und genossen den Ausblick rüber ins Mattertal. Als wir wieder auf dem Weg waren der zum Joch bzw. auch zum äußeren Barrhorn führt überlegten wir es uns nochmal. Der Schnee war durch die Sonne weicher und somit besser zu gehen. Also probierten wir es wieder. Wir kamen weiter, aber an ein sicheres Gehen war nicht zu denken. Also gut. Abstieg. Dieser ging durch die wärmeren Temperaturen besser und so genossen wir es richtig in dieser Hochalpinen Landschaft unterwegs zu sein. Die Hütte war dann schnell erreicht und dort gönnten wir uns dann eine Brotzeit und das obligatorische Bier. Wir kamen auch gut ins Gespräch mit einem Mutter/Sohn Paar, das wir schon gestern kennen gelernt hatten. So verging der Nachmittag und Abend. Beim Abendessen lernten wir zwei Deutsche kennen die uns fast in den Wahnsinn trieben mit ihren Diskussionen. Die wollten was gehen, waren sich aber mit dem Schnee unsicher und haben in der Zeit zwischen Suppe und Dessert die Pläne zehnmal umgeschmissen.
Der Freitag (22.08.) sollte eigentlich zweigeteilt werden. Abfahrt und Aufstieg auf den Meidpass. Doch es kam bissl anders. Nach dem Frühstück verabschiedeten wir uns von der Hütte und fuhren den Trail runter. Dies ging echt besser als gedacht, doch schon hier merkte Laura, dass sie nicht mehr so fit ist. Die tausend Höhenmeter von gestern (plus die Tage vorher) steckten zu tief in den Knochen. So fuhr ich ein paar Abfahrtsvarianten runter, während Laura auf der Forststraße blieb. Bei der Abzweigung zum Meidpass entschlossen wir uns aber dann dagegen. Wir waren zu platt um es richtig genießen zu können. Also ab nach unten. Dort stiegen wir dann auch noch blöderweise in eine Trailabfahrtsvariante ein, die ein absoluter Scheiß war. Neben dem Bach gings den Wanderweg nach unten, aber dieser war durch und durch nass, so dass ein schönes Fahren nicht möglich war. Wir schoben, wir trugen, wir fluchten und waren dann froh an der Straße wieder zu sein. Wir versuchten es weiter unten nochmal mit dem Trail, aber mit selbem Ergebnis. Erst ab Oberems wurde es dann spaßig. Dort fuhren wir dann einen Megatrail runter wo vor allem das letzte Stück nach Turtmann der Hammer war. Geil. Wir holten den Bus in Leuk ab und fuhren über einen kurzen Snackabstecher in Visp ins Mattertal bis zum Camping nach Täsch. Dort sicherten wir uns zum Glück noch rechtzeitig noch einen Platz, denn was wir nicht wussten war, dass in Zermatt ein Querfeldein-Marathon dieses Wochenende statt findet und es somit unglaublich voll wurde.
Der Samstag (23.08.) sah gut aus und wir nahmen uns den Gornergrat vor. Von Täsch aus gings leider blöderweise (nur weil wir auf die Touritante gehört haben) über den Wanderweg hoch nach Zermatt. Einfach sackblöd. Denn hier wechseln sich Schiebe/Tragepassagen mit teilweise fahrbaren Passagen ab. Hätten wir einfach die Straße genommen. Wir kamen dann doch irgendwann an und checkten gleich die Lage bei der Station Air Zermatt…Denn was ich von der supercoolen Laura zum Geburtstag bekommen habe war ein Hubschrauberrundflug ums Matterhorn…und den hatte ich für morgen gebucht..Hihihi. Wir machten die Reservierung klar und waren einfach auch vom Lastenaufzug und dem ganzen Ambiente überwältigt. Anschließend machten wir uns auf zum Aufstieg. Wir radelten langsam durch Zermatt hoch und weiter oben dann merkte Laura, dass die Kraft wohl nicht reichen würde. So entschloss sie wieder runter zu fahren und sich einen schönen Tag in Zermatt bzw. am Camping zu machen. Ich steckte mir die Kopfhörer rein und bei Manowar strampelte ich mich hoch. Irgendwann war ich dann doch im Skigebiet und entsprechend der Steilheit musste ich viel schieben. Der Aufstieg ist eigentlich nur anstrengend und langweilig. Dennoch kämpfte ich mich bis zum Gornergrat hoch und war überwältigt vom Panorama. Gornergletscher, Grenzgletscher, neue Monte-Rosa-Hütte, Castor, Pollox, Matterhorn. Einmalig. Ich genoss ausgiebig den Ausblick und war wie in einer Traumwelt. Langsam aber sicher machte ich mich dann bereit für die Abfahrt und ich muss gestehen. Das war eine der geilsten Abfahrten ever. Fordernd, aber nicht zu schwer fuhr ich entlang der Moräne nach unten und musste erst weit unten, fast schon in Zermatt das erste Mal absteigen und tragen. Hammergeil. Was für ein Flow, was für eine andere Welt. Noch völlig berauscht fuhr ich durch Zermatt, den Blick immer aufs Matterhorn und dann per Straße runter zum Camping. Was für ein Tag.
Am Sonntag (24.08.) der große Tag. Hubschrauber fliegen. Per Bahn gings hoch nach Zermatt und nach einem Frühstück bei Sonne gings zum Heliport. Dort warteten wir noch kurz und stiegen dann mit einem Mutter/Tochter Paar in den Heli. Dann gings los. Wer nicht selber mal Heli geflogen ist, dem kann man es nur schwer beschreiben. Der Pilot flog erst über Nordwesten zum Hohlichtgletscher um dann direkt von dort zum Matterhorn zu fliegen. Das Wetter war perfekt und wir sahen den eindrucksvollen Berg in seiner gesamten Pracht. Über Hörnligrat, Nordwand, Südwand flogen wir um den Berg herum, teilweise so nahe, dass man das Gefühl hatte, man müsste nur aussteigen und wäre da. Über das Kleinmatterhorn gings dann zu Castor/Pollux und dann im steilen Sinkflug über den Grenzgletscher an der Monte-Rosa vorbei zum Gornergrat. Den Überflogen wir auch in Steillage und mit einem Blick nach oben ob sonst wo Gleitschirmfliegen wären drehten wir die Runde zu Ende und landeten wieder am Heliport. Es waren zwar nur gut zwanzig Minuten, diese haben sich aber wie eine Ewigkeit angefühlt und das Erlebnis kann man sowieso nur schwer beschreiben. Was für ein geiler Tag. Noch voll euphorisch gings zurück zum Bahnhof und von dort dann zum Bus. Als Abkürzung benutzten wir diesmal die Autoverlad nach Kandersteg und fuhren zurück nach München. Was für eine geile Woche…Nächstes Jahr sicher wieder!!!!
