Samstag, 21.08.2010:
Es war endlich soweit. Transalpstart. Alle Vorbereitungen abgeschlossen, gepackt, mental schon auf dem Weg. Meine Ausrüstung liegt auf dem Sofa, ich geh nochmal alles durch…Sollte passen. Bike paßt auch und jetzt heißts warten. Um 13Uhr meldet sich Andi und gibt Bescheid, dass sein Fahrrad rechtzeitig fertig geworden ist. Eine gute Stunde später ist er bei mir, wir packen das Zeug in der Bus und holen Zotz ab. Sein Fahrrad ist wohl auch noch zeitig beim Peter eingetroffen, somit steht der ganzen Geschichte nichts mehr im Weg. Bei gutem Wetter gehts Sammelpunkt Richtung Allgäu. Uns erwartet Equipment-Check und Pasta-Party. Hooray.
Im Allgäu angekommen wird erst mal kräftig an den Bikes geschraubt und optimiert. Vor allem am Rucksack. Wir stellen aber alle zufrieden fest (bis auf Andi), dass unsere Rucksäcke super gepackt sind und wir sicht nicht zuviel dabei haben, da Andi’s Rucksack fast zwei Kilo mehr wiegt als die restlichen. Ausgezeichnet. Nachdem alle Vorbereitungen abgeschlossen sind, lassen wir den Abend gemütlich bei Pasta, Bier und guten Gesprächen ausklingen bis es dann ins Bett geht.
Sonntag, 22.08.2010:
Nach dem stets guten Frühstück in der Pension Bieker (kommt Bieker eigentlich von Biker?) & Bösl wirds ernst. Zum Glück heißts erst mal locker Einradln auf der Strecke Fischen-Oberstdorf-Schrofenpass und das Ganze dann noch bei super Wetter, herrlich. Weniger heikel und ausgesetzt als gedacht kommen wir gut über den Schrofenpass rüber und folgen dem weiteren Trail runter. AbWarth-Lech gehts auf einer etwas nervigen Bundesstraße auf den Arlbergpaß und von dort, mit der entsprechenden Geschwindigkeit, runter bis fast nach St. Anton. Hier heißts scharf rechts abbiegen und dem Forstweg mit dem netten und wirklich nötigem Schlussanstieg hoch zur Konstanzer Hütte. Geschafft. Zur Abkühlung gab es erst mal ein schönes Bad im Bach nebenan und danach Bier und Essen. Das war der schöne Teil des Tages. Der weniger schöne war das Massenlager, aber gut. Daran werden wir uns auch noch gewöhnen.
Daten Tag 1: 66,7 km und 1855Hm
Montag, 23.08.2010:
Nach einer schlechten Nacht gabs erst mal um 6:30 Uhr Frühstück, aber nachdem wir noch nicht so eingespielt sind fuhren wir erst 8:30 Uhr los. Nach einem Forststraßenstück durch die hügeligen Graslande des Verwalls mussten wir anschließend unsere Bikes für ne Stunde schieben/tragen um aus dem Morast bzw. dem kuhzertretenen Pfad zu kommen. Dafür gings mit Speed danach runter und die 400Hm danach wurden auch locker abgestrampelt. In der Schrunz an der Seilbahn wurde danach erst mal „richtig“ schön Mittag gemacht mit viermal Suppe! Bei leichtem Regen gings dann weiter hoch nach Gargellen. Ein überaus schöner 800Hm Straßenanstieg wartete zum Schluss auf uns. Dafür gabs aber erst mal als Entschädigung Cola und Schocki bevor wir in der überaus netten Pension Wulfenia eincheckten. Diese überraschte uns mit Wäscheservice, großen Zimmern, Balkon, guten Betten und einem noch von Oma selbstgemachten Abendessen. Saulecker. Das Schmankerl war dabei noch, dass sie die Schwammerl für die Soße am Vortag noch selbst aus dem Wald geholt hat. Unsere Biereinschätzung für den Abend lief etwas schief. Wir hatten noch fünf Flaschen am Abend übrig, aber konnten diese nicht mehr trinken. Aber so klug wie wir nun mal sind haben wir uns gedacht. Kein Problem. Nehmen wir sie doch einfach morgen aufs Schlappiner Joch hoch. Kein Thema.
Daten Tag 2: 54km und 1526HM
Dienstag, 24.08.2010:
Der laut Tourdaten längster Tag. Früh aufstehn, Frühstück fassen, angezogen, fertig und dann kam der Blick aus dem Fenster. Die versprochene Schlechtwetterfront war da. Es goß wie aus Kübeln. Noch mit Hoffnung in der Stimme beschlossen wir einfach ncoh eine Stunde zu warten und zu schauen wie es dann ist und das war die absolut richtige Entscheidung. Wir hatten Glück. Der kräftige Wind blies die Wolen übers Joch und bei unsere Abfahrt klärte sich der Himmel immer weiter auf, so dass wir bald die Regenjacke weg packten und bei bestem Wetter das Joch in Angriff nahmen. Nach einer knappen Stunde Bike tragen waren wir auf dem Joch und das mit! Bier. (Netterweise erwähne ich jetzt mal nicht, das Claudi und Peter ihr Bier verweigert haben hoch zu tragen). Ein unglaubliches Panorama eröffnete sich uns und das genossen wir dann auch bei einer leckeren Brotzeit. Anschließend hieß es teils runter tragen, teils fahren. Die ersten kleineren Stürze machten sich dabei auch bemerkbar, aber zum Glück nix wildes. Über Klosters gehts weiter nach Schifers, doch dann verdichtete sich der Himmel wieder. Heißt Tempo anziehn und das genau richtig, denn als es anfing zu schütten waren wir schon in einer Hütte und gönnten uns die zweite Brotzeit (obwohl die Wirtsleute etwas eigenartig waren). Auch diesmal ließ der Regen bald nach und wieder bei schönen Sonnenschein konnten wir den zweiten Anstieg Richtung Durannapaß in Angriff nehmen. Diesmal waren es wieder 700Hm. Während Andi und Zotz es eher stamm angingen, fuhren Claudi, Peter und ich unser Tempo ruhig weiter. Sie haben ja das Roadbook, wir das GPS, kann also nix passieren. Der Schlussanstieg war zwar dann etwas zäh, aber die Landschaft oben auf dem Paß entschädigte wieder für alles. Im feinsten Abendlicht präsentierten sich die Hügel und Gipfel vor uns. Doch trotz der Weite war nichts von den anderen beiden zu sehn..Über einen Trail gings dann schnell abwärts Richtung Skihaus Casanna und ich lernte dabei die Lektion auch im leichten Gelände kann man stürzen und sollte deshalb immer einen Helm tragen. Zum Glück ist „nur“ der Kabelbinder des GPS gerissen. Am Skihaus angekommen war unsere erste Frage: „Sind schon zwei weitere Jungs angekommen?“, „Nein“. Verdammt. Also telefonieren und was kam raus. Natürlich haben sie das Roadbook nicht angeschaut sondern sind nach Gefühl gefahren. Jetzt könnte man sagen ihr Gefühl hat sie getäuscht, aber nein. Wozu hat der Umweg geführt: Sie haben zwar ein paar mehr Höhenmeter gefahren bis sie merkten, dass sie falsch sind, doch als sie den richtigen Weg hatten und oben am Durannapaß ankamen wurden sie dort von einer hübschen Maid abgefangen die nur meinte „Ihr schauts aus, als ob ihr ein Bier bräuchtet“ und das haben sich die Jungs natürlich nicht zweimal sagen lassen. Also eigentlich alles richtig gemacht. Nach einem guten Abendessen gings auch schnell ins Bett an diesem Tag.
Daten Tag 3: 40,9km und 2115HM
Mittwoch, 25.08.2010:
Heute war ein „Pausetag“ eingeplant. Nach einem ruhigem Frühstück gings runter nach Langwies. Anschliend folgtem wir einem zähen Trail hoch bis Arosa und da hatten wir schon die ersten Verluste zu beklagen:
Verlustliste Teil 1:
– verbogenes Schaltewerk bei Andi
– abgebrochener Schnellspanner bei Peter
– erste Verschleißerscheinungen an Claudis Allerwertestem
Endlich Arosa. Hier füllten wir unseren Proviant mit Brot, Geräuchertem, Schoki und Cola auf. Hier konnten wir zumindest auch die ersten beiden Punkte der Verlustliste wieder lösen. Der dritte Punkt wurde per Seilbahn von Innerarosa auf die Hörnlihütte zumindest teilweise gelöst. Jetzt wo Claudi mit der Bahn unterwegs war konnten wir Jungs endlich wieder Jungs sein und wir machten erst mal hinter der nächsten Biegung eine lange Pause in der Sonne. Danach gings mehr oder weniger eine Skipiste/Ziehwege hoch bis zur Hörnlihütte. Vor allem am Schlussanstieg hieß es schieben und beißen. Oben angekommen erwartete uns nicht nur Claudi sondern auch ein wunderbares Panorama Richtung Arosa und Hörnli bei bestem Wetter. Nach einer Pause (ja schon wieder) gings über den Trailweg rüber Richtung Lenzerheide, doch auf einmal „BAAAM“. Wir schauen uns um, Zotz steht und schaut runter. Sein Reifen hat sich mit einem ordentlichem Wumm verabschiedet. Juhu, das Biketool und der Schlauch waren nicht umsonst mitgenommen. Nachdem wir uns Jungs erst mal klar werden mussten wie das Hinterrad beim DT Swiss Laufrad ausgebaut werden muss stellten wir den noch viel größeren Schaden fest. Der Mantel hatte einen deutlichen Riß. Damn. Zotz konnte zwar noch über das Joch bis zum Abstieg Richtung Lenzerheide schieben, aber das Fahren danach war nicht mehr drin. Also entschlossen wir uns, dass Peter und ich vorraus fahren und schauen ob wir einen Bike Shop finden. Alles klar, wir ließen ihnen noch einen Schlauch zur Not da und düsten los. Auf einem etwas flacheren Stück bemerkte Peter dann, dass es eigentlich eine ziemlich dumme Situation ist. Wir haben keinen Schlauch mehr dabei und die oben haben alle. Naja, wird schon nix passieren. Wie zu erwarten war, passierte doch etwas. Ein paar Kilometer weiter bemerkte Peter auch bei sich nun einen Platten und uns blieb nix anderes übrig, als in der Sonne zu sitzen und auf die anderen zu warten. Somit:
Verlustliste Teil 2:
– 2 geplatze Reifen
– 1 gerissener Mantel
Nach der Ankunft der anderen war der Schaden schnell behoben und auf für den Zotz wars dann auf den besseren Straßen möglich bis runter nach ValBella zu unserer Jugendherberge zu fahren. Obwohl diese stylisch eingerichtet war, erlebten wir hier nicht unbedingt den besten Tag. Mehrere Zusatzkosten in Form von Mitgliedsbeitrag und extra Kosten um von einem 6er Zimmer auf ein 5er Zimmer zu ziehen mussten beglichen werden. Außerdem wurden wir angepflaumt, dass wir nicht erreichbar waren und somit die Abendessenszeit nicht mit uns abgestimmt werden konnte. Wir eilten dann ungeduscht keine fünf Minuten später rüber ins Nachbargebäude um dort erneut mit einer krantigen Mutti das Thema der Verspätung zu klären. Zum Glück bekamen wir doch noch Abendessen und das, muss man sagen, war gut. Auch an diesem Abend verschätzten wir/ich uns mit dem Bier und zu fünft quälten wir uns dann gemütlich in der Lounge lummelnd durch acht Calanda Biere.
Daten Tag 4: 35,6km und 1454Hm
Donnerstag, 26.08.2010:
Um 7:00 hieß es aufstehn und trotz aller schlechten Eindrücke von gestern hatten wir ein super Frühstück in der Jugendherberge. Anschließend gings in die Lenzerheide und dort fanden wir dann auch zum Glück sehr schnell einen Laden in dem wir alles richten konnten und uns wieder mit Ausrüstung auch versorgen konnte. Der weitere Weg war dann eher gemütlich. Auf breiten Forstwegen und Straßen gings runter bis nach Tiefencastel und dann anschließend wieder hoch bei „lockeren 8%“ (nie im Leben Peter, egal was das Roadbook sagt). Doch etwas gequält erreichten wir dann Bivio und gönnten uns dann, erneut bei super Wetter, Weißbier mit Zitrone, Espresso und Apfelkuchen. Danach gings in die Pension die uns mit einem super 5-Gang Menü verwöhnte.
Daten Tag 5: 50,7km und 1590Hm
Freitag, 27.08.2010:
An diesem Tag hieß es Strecke machen. Nach einem kargeren Frühstück (die Schweizer essen wohl lieber mehr zu Abend als zum Frühstück) gings über den Septimerpaß bei wunderschöner Wolkenkulisse rüber. Es war zwar deutlich frischer als die Tage zuvor, aber so hatten wir wenigstens auch die Möglichkeit all unsere Kleidungsstücke anzuziehen. Die Trials runter forderten schon etwas mehr von uns und hier merkt man nun doch so langsam, dass man schon fünf Tage biken hinter sich hat. Im Tal angekommen erwartete uns eine etwas unangenehmere Überraschung. Der weitere Weg öffnete sich immer mehr und plötzlich war eine schwarze Wand vor uns an der sich unzählige Serpentinen hoch schlängelten. Der Weg nach Maloja. Tief durchatmen, 30cm vor Fahrrad schauen und strampeln. So erreichten wir auch den kleinen Kiosk am Ortsschild Maloja. Nach einer Stärkung mit Espresso, Engadiner Nusskuchen, Bratwurstsemmel blickten wir immer kritischer in den Himmel..Himmel? Ich meinte eher in die Wolke die uns umgab. Es fing an zu regnen. Noch leicht. Egal, wir haben erst 20km und machen uns weiter auf den Weg. Der Regen nimmt immer mehr zu und bald können wir es nicht leugnen. Es regnet richtig. Über Forst- und Wiesenwege quälen wir uns am Silvaplanersee entlang. Auf der Abfahrt nach Sils wird eine Krisensitzung einberufen. Es sind noch 30Km bis zum Bernina Haus. Wir beschließen den Tag heute schon enden zu lassen und den Rest morgen zu fahren. Zum Glück haben wir den letzten Tag mit weniger Kilometer geplant. Jetzt müssen wir nur noch eine Unterkunft finden. Claudi und Andi übernehmen das am Infopoint und so gelangen wir schnell zu einer feinen (aber teuren) drei Sterne Pension die auch Saunaservice beinhaltet. Unsere naße Kleidung haben wir schnell im Keller unter gebracht und nach der warmen Dusche gehts in die noch viel wärmere Sauna. Dort lassen wir es uns gut gehen und wärmen uns wieder auf. Anschließend heißt es etwas Zeit tot schlagen. Das geht am besten mit Bier. Leider hat diese Pesion nur kleine Weißbier (0,33) und dazu noch unfähige Kellner. Es wäre schon fast witzig gewesen zu sehen wie der nervöse Kellner ein Weißbier in ein trockenes Glas schüttet, doch die 6Franken wars dann doch nicht wert. So nahmen wir das lieber selber in die Hand. Nach einer weiteren lächerlichen Vorstellung der Kellner beim Abendessen gönnten wir uns noch einen Absacker und gingen bald schlafen.
Daten Tag 6: 28,7km und 1206Hm
Samstag, 28.08.2010:
Nach einem sehr guten Frühstück gings auf die Schlussetappe. Der Regen war weg und es ging am Silvaplanersee entlag über St. Moritz nach Pontresina. Dort nahm Claudi für das letzte Stück zum Bernina Haus die Rätlibahn in Anspruch während wir Jungs uns einen eher nicht lohnenden Trail wieder teils schiebend/tragend nach oben quälten. Dafür war das Wiesentrail danach etwas besser, wenn auch nicht gut. Zotz entschloss sich dann auch lieber die Straße dafür zu nehmen. So fuhren Peter, Andi und ich bis zum Lago Bianco hoch, wo wir schon Claudi trafen und perfektes Timing, dort trafen wir auch gerade am vorbei fahren Herbert! Oben am Ospizio Bernina schauten wir verzweifelt nach Zotz, aber er war nirgends zu finden. Auch Anrufe gingen ins leere. Zum Glück wollte Peter nicht aufgeben und hat nochmal am Bahnhof vorbei geschaut und dort entdeckte er ihn auch. So konnte wir alle zusammen die letzte Abfahrt in Angriff nehmen. Am Bianco vorbei gings über die Alp Grüm runter nach Poschiavo. Hier merkten wir schon deutlich den Verschleiß. Beim Andi platzen beiden Schläuche kurz hintereinander und Claudi hatte nochmal riesen Glück. Sie blieb an einer Querrinne kurz hängen und testete dabei wieviel ihr Helm an einem Baumstamm knallend aushält. Zum Glück ist nur der Helm gebrochen, aber ihr nichts weiter passiert. Bei dem Sturz verbog sich auch die Hinterradbremsscheibe und so war ein weiterfahren nur eingeschränkt möglich. Es wird Zeit, dass wir unten ankommen. Der letzte Trail hat nochmals alles von uns abverlangt doch ohne weitere Zwischenfälle erreichten wir den Bahnhof von Poschiavo, an dem Herbert schon auf uns wartete. Er gratulierte uns herzlich zum bestandenen Abenteuer und beglückte uns gleich mit Augustiner! Danke Herbert!!!!
Daten Tag 7: 49,3km und 1038Hm
Gesamt: 325,9km und 10.784Hm
Es war geschafft, den Rest der Reise ließen wir uns zurück fahren und gönnten uns noch ein gutes McDonalds Menü bevor es im Allgäu hieß Abschied zu nehmen und zurück nach München zu fahren.
An dieser Stelle nochmals Danke an alle die dabei waren und mitgeholfen haben. War ein geiler Trip, ne coole Zeit und auch eine super Erfahrung. Auch wenn ihr alle etwas dagegen gewesen seid, hoffe ich doch die nächsten Jahre so etwas wiederholen zu können.
