04.09. – 05.09.2021: Die kleine Zinne

unbenannt-5621

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Dieses Wochenende gings wieder auf in die Dolos. Laura hatte mir zum Geburtstag ein Kletterwochenende mit einem Bergführer geschenkt und das Wetter sah zum Glück gut genug aus. Also, gefühlt fast schon Routine…Bus packen und los. Zunächst Kufstein, dann Innsbruck, dann Brenner und bei Brixen raus. Herrlich. Allein auf der Fahrt auf der Landstraße Richtung Toblach kam sofort wieder Urlaubsfeeling auf. In Sankt Sigmund machten wir eine kurze Pizza Pause, die das Feeling nur noch mehr befeuerte.  Anders als letztes Wochenende bogen wir schon vor Bruneck ab. Auf der sehr kurvigen Straße gings an Sankt Martin vorbei und hier waren wir mal wieder froh, dass wir uns für das LED Licht entschieden haben. Ab Stern/La Villa fing es an zu regnen und das machte die Fahrt nicht unbedingt einfacher. Zum Glück wurde es hier oben richtig leer, so dass wir sehr gemütlich mit unserem Tempo weiter fahren konnten. Der Regen nahm bis Armentarola richtig zu und ich zweifelte ob man morgen überhaupt noch klettern gehen konnte. Als wir am Rifugio Valparola ankamen (wo wir letztes Wochenende zu Mittag aßen) war es plötzlich fast trocken. Irre, wie lokal es hier in den Dolos runter kommt. Wir fuhren am Bouldergebiet Falzarego vorbei und wieder runter Richtung Cortina bis zum Parkplatz des Lifts zu den Cinque Torri. Hier waren schon ein paar Leute am Parkplatz und wir suchten uns eine gemütliche Ecke, nivellierte ;-) und ich gönnte mir mein Fahrt-Abschluss-Bier. Wir genossen die Gemütlichkeit von Myr bevor es ab in die Schlafsäcke ging.

Die Nacht war gut kühl und der nächste Morgen war der Hammer. Die Dolos leuchtete feuerrot auf der leichte Nebel verzog sich bald. Wir Frühstückten, quatschten noch kurz mit den Nachbarn und fuhren dann zum Parkplatz Cianzope. Dort trafen wir Martin (Kopfsguter), unsere Bergführer. Wir quatschten kurz was wir machen wollen und entschieden uns für eine leichte Eingehtour direkt am Falzarego Pass. Also zurück in den Bus und wieder hoch. Wir parkten am Ristorante Grill da Strobel Paolo Michielli, packten das Zeug zam und gingen los. Nach etwas Smalltalk und ca. 20/30 Minuten Zustieg waren wir schon bei den Ruinen von der “Caserna Guiera Alpini”. Von hier gings dann eher links haltend hoch zur Wand. Schon hier war das Panorama mega genial. Gerade der Blick rüber zu den Cinque Torri und Averau war überwältigend. Ok, aber wir mussten uns wieder auf das Klettern konzentrieren. Wir machten uns bereit, banden uns ein, zogen die Schuhe an und Martin war gefühlt schon an der Wand und kletterte los. Er kletterte sehr bedacht und man merkte die jahrelange Erfahrung. Er legte immer wieder Friends und als wir dann nachstiegen schaute ich mir alles immer genau an um zu lernen. An den Standplätzen erklärte er uns immer Details. Sei es die Reihenfolge oder die Knoten oder eben Techniken. Das war echt cool mal so in Live das ganze zu hören und gleich anwenden zu können. Die Tour selber war jetzt nicht brutal schwierig, so dass wir uns in einer echt guten Komfortzone bewegten. In Seillänge vier oder fünf fing es dann zum regnen an (der Regen war eigentlich erst für Nachmittag angesagt worden), so dass wir die letzte Seillänge vor dem Sattel noch im Nassen klettern musste. Am Sattel dann kurze Lagebesprechung. Es regnete zwar nicht dauerhaft, was übrigens zu unglaublich schönen Stimmungen um uns herum in den Bergen führte, aber doch gut genug, dass wir sagten wir hören hier lieber auf. Also Seilaufnehmen und am kurzen Seil ging es eine speckige Rinne runter. Ich stellte mich bei einer hohen Stufe echt etwas dämlich an, vor allem wenn man unten ist und sieht wie es aussieht denkt man sich..ok..wo war das Problem. Naja. Als wir wieder auf einem guten Wanderweg waren war die Sonne auch schon wieder draußen und dank den warmen Temperaturen trocknete alles wie im Nu. Spontan entschieden wir uns doch nochmal an die Wand zu gehen und diesmal schlug Martin vor sollte ich Vorsteigen in einer Seillänge und die Friends selber setzen. Ok??? An der Wand schaute ich mir die Tour an und sie sah gut aus. Nicht zu schwer, es waren auch tatsächlich Haken drin, aber gefühlt auf 30Meter vielleicht zwei oder drei. Ich stieg ein und die ersten Meter wars noch zittrig, als der erste Friend saß wars etwas besser, aber erst als ich die Exe im Haken klippte gings gut. Danach wars echt easy. Der Kopf passte und echt im schönsten Dolomitenfels (Keine Spur von bröckelig) legte ich schön den Rest und machte Stand. Ich holte dann beide nach und bekam sogar lob vom Martin fürs Legen. Danach seilten wir ab und packten zam. So war das Bier wohl verdient. Im Rufigio am Parkplatz gönnten wir uns dasselbige und eine Kleinigkeit zum Essen und besprachen den nächsten Tag. Wir einigten uns für eine größere Tour an der kleinen Zinne..Ok? Krass. Die Zinnen waren für mich immer so etwas wie Mythos und ich war total geflasht, aber Martin traute uns das zu. 11 Seillängen, alter Schwede mit komplett Abseilen danach. Neugier, Abenteuerlust, Respekt und Vorfreude mischten sich zu einem argen Gefühl zusammen. Danach quatschten wir über alles mögliche und wir erfuhren, dass Martin einen eigenen Hof mit Pferden hatte. Hier kam dann der Knaller raus. Er hatte am Anfang ein Pony, doch als er merkte, dass dieses Pony genauso viel ißt wie ein großes Pferd, dachte er sich, dann kann ich auch gleich ein großes Pferd haben. Herrlich. Besser wurde die Geschichte noch damit, dass er meinte, dass Ponys nicht wissen wie groß sie sind und durch ihr Ego vor zum Futtertrog gingen als ob sie die größten wären. Genial.

So verabschiedeten wir uns und machten aus, dass Martin uns morgen am Camping am Toblacher See abholen sollte (um 6Uhr). So fuhren wir über Cortina zum Toblacher See und wollte uns dort einen gemütlichen Nachmittag machen. Hier erlebten wir eine böse Überraschung. Der Camping hatte nur noch einen etwas schäbigen Stellplatz übrig und dann die nächste böse Überraschung, dass die Schranke erst um 7Uhr öffnen würde und wir nicht unter Tags stehen bleiben könnten. Mist. Also neu planen. Laura entdeckte noch den Camping Alla Baita am Misurina See. Der machte absolut Sinn, denn dieser lag direkt vor der Mautstraße zum Rifugio Auronzo an den drei Zinnen. Der Abzweig hoch war dann wieder komplettes Neuland für uns. Was soll ich sagen…die Dolos sind landschaftlich einfach der Hammer. Am Camping angekommen hatten wir Glück. Platz war da und wir konnte auch stehen bleiben. Also Bus abstellen, duschen und dann Bier in de Lounge am Bus. Dazu noch der Blick in die Dolos. Es wird nicht besser. Nach der kleinen Siesta packte ich noch das Zeug für morgen und dann war es eh schon Zeit zum Abendessen. Zum Glück war am Camping gleich ein kleines Ristorante. Das Essen war sehr sehr gut, doch leider war ich so hungrig, dass ich zwei Portionen bestellen musste. :-)
Danach war zumindest meine Stimmung kurz im Keller als drei Typen ihre Autos quasi wie auf einem Parkplatz neben uns abgestellt haben. Hallo? Ich ging Zähne putzen und Just….wie durch Zufall kamen mir die drei Typen entgegen. Wir “diskutierten” kurz, aber am Ende war alles cool. Die Jungs wollten einen Klettersteig machen und sahen auch schnell den Fehler ein. So konnte ich dann friedlich, aber immer noch sehr aufgeregt, einschlafen.

Der Wecker klingelte um 5Uhr. Kurz kuscheln, aufstehen, Espresso und Frühstücken. Es war zwar kühl, aber zum Glück nicht zu kalt. Dann wars auch schon 6Uhr und Martin stand schon bereit. Wir fuhren mit ihm mit, da er als Bergführer befreit war von der Mautstraße, die immerhin stolze 30€ kostet. Martin cruiste souverän hoch und am Rifugio Auronzo gings schon gut  zu. Viele viele Bergsteiger und ich hatte schon etwas Angst, dass es zu voll wird. Martin blieb aber cool. Wir gingen los und dann sahen wir das hammermäßige Panorama. Wahnsinn..Ich weiß nicht ob ich schon mal gesagt habe…voi der Wahn. Wir waren total geflasht und gingen eigentlich nur hinter Martin hinterher. Wir quatschten weiter und dabei stellte sich heraus, dass Martin zusammen mit dem Alex Huber die PanAroma eingerichtet hatte. Krass. Dann so nebenbei erwähnte er auch noch wie er mit dem Andy Holzer, dem blinden Bergsteiger, die gelbe Kante gemacht hätte. Alter Schwede. Und genau diese gelbe Kante präsentierte sich plötzlich vor uns als wir um die Ecke der großen Zinne gingen. Landschaftlich ist das alles hier gewaltig. Wir gingen vor bis zum Einstieg der gelben Kante, was alles noch locker über einen Wanderweg ging. Dort seilten wir uns an und machten uns bereit. Denn über eine Gallerie ging unser Weg weiter nach rechts hinter. In der Zwischenzeit kamen auch vier Schweizer zu uns, die ebenfalls mit einem Bergführer unterwegs waren und quasi eine Art Schulung machten. Also Martin hinter der Ecke verschwand wusste ich noch nicht was auf mich zu kam. Als ich nachkam dachte ich..Shit. Es war ein Quergang über zwar gute Tritte, die aber extrem schwer zu sehen waren und dann kam noch dazu, dass die Wand so blöd im Weg hing, dass du quasi vor dir keine Griffe hattest. Es war echt unangenehm zu gehen und gefühlt null save. Als wir bei Martin ankamen waren wir beide irgendwie voll durch den Wind. Martin ließ uns nicht viel Zeit zum nachdenken. Er holte das Seil nach und schon war er unterwegs. Der Schweizer Bergführer war schon bei uns und sicherte seine Jungs nach. Ich stieg dann ein und schluckte erneut. Der Übergang vom Standplatz in die Wand war ein komischer Bauch an man echt anreißen musste. Das Gelände blieb zunächst in der Schwierigkeit. Nach ca. 20 Meter machte es dann plötzlich auf und das Gelände war wieder offen und übersichtlich. Da stand auch Martin und plötzlich platzte auch der Knoten. Danach ging es über mehrere Seillängen in gestuftem Gelände, mal durch Kamine, mal über gute Fels nach oben. Wir kamen gut voran, vor allem natürlich durch Martin, der die Wand quasi auswendig kannte. Was ich witzig fand war der schweizer Bergführer. Der kletterte quasi alles frei in zerschlissenen FiveTen Zustiegsschuhen und hatte nicht mal die Schuhbänder richtig zu. Ich hingegen mit engen Kletterschuhen und fühlte mich selbst damit nicht immer wohl auf den Tritten. Wahnsinn wie weit weg die Leute vom Können sind. Respekt. Wie gesagt, wir kamen gut voran und die ersten sieben Seillängen gingen schnell durch. So erreichten wir auch das Gehgelände zwischen Punta Frida und der Kleinen Zinne. Vor der kleinen Zinne machten wir kurz Pause. Als ich dachte ich hätte schon mit dem Sonnenaufgang die schönste Stimmung gesehn, wurde ich eines besseren belehrt. Von der kleinen Zinne aus hatten wir einen Wahnsinns-Blick auf die  Dreizinnenhütte. Die Dolomiten waren echt der Spielplatz Gottes was Berge angeht. Gefühlt hat er alles hier ausprobiert. Ok, ich musste mich wieder aufs Klettern konzentrieren. Die letzten vier Seillängen waren leider nicht ganz ohne. Vom Schwierigkeitsgrad eigentlich nicht schwerer als die anderen, aber in der vorletzten Länge war ein echt fieser Kamin, der speziell mit einem Rucksack doppelt so schwer wurde. Ich quetschte und presste mich durch und merkte deutlich, dass Laura die Passagen besser kletterte als ich. Und es lag nicht am Rucksack! Ok…da ist ganz schön viel Rost (und Gewicht) bei mir dran. Oben wurde es dann deutlich luftiger und dann machte sich Martin schon auf zum Gipfel. Ich kletterte dann nach und musste echt nochmal schlucken. Ein luftiger Spreizschritt, ein moosiger Abschlusskamin und dann war der Fels plötzlich weg. Links/rechts…nur Luft und ich war oben. Laura kam auch schnell hinterher und wir hatten beide mit einem wilden Mix an Gefühlen zu kämpfen. Froh, dass man oben ist, cooler Ausblick, ui luftig, oh..noch abseilen. Martin redete uns gut zu, machte noch das Gipfelfoto und bereitete alles vor. Wir atmeten etwas durch, sammelten uns und gingen dann zu ihm rüber zum Abseilstand. Das Seil war unten und wir hingen uns alle quasi gleichzeitig in der richtigen Reihenfolge ein. So war sicher gestellt, dass keiner alleine hantieren muss. Martin seilte zuerst ab, danach Laura und ich war der letzte. So spielten wir uns immer besser ein. Die Stufe nach der ersten Seillänge war für die Moral gut und die wilden Seilführungen der Italiener die den Normalweg in Angriff nahmen brachten uns auch etwas zum lachen. Auch als die Italienerin nach dem Vorstieg uns mit Händen und Füßen erklärte, dass wir uns doch bitte umdrehen sollte da sie mal ums Eck musste trug zur Lockerung bei. So spulten wir die Seillänge für Seillänge ab und es ging immer schneller und besser. Die anfängliche Angst/Skepsis war verschwunden und wir genossen es. Am Boden zurück war der Abstieg zum Rifugio gleich gemacht und noch etwas unter Adrenalin stießen wir mit einem Bier an. Martin übergab uns als Andenken die gelochte Routenkarte. Wir quatschten noch über dies und das bevor er uns wieder zurück zum Camping fuhr. Hier verabschiedten wir uns auch und versprachen im Winter wieder zu kommen. Denn Martin war auch ein extrem guter Skifahrer!

Danach packten wir den Bus zam, zogen uns noch kurz um und es ging zurück. Am Brenner hielten wir kurz für einen Snach an bevor wir noch bei meiner Schwester vorbei fuhren um Branes Geburtstag zu feiern. Danach konnten wir endlich nach Hause und vielen nur noch müde ins Bett. Was ein mega geniales Wochenende…danke für dieses tolle Geschenk!